Initiative für selbstbestimmte Sexualität von Menschen mit Behinderung und Geschlechtergerechtigkeit

Wir sind überzeugt, dass sexuelle Selbstbestimmung nur durch das Zusammenwirken unterschiedlicher Kompetenzen, Perspektiven und Erfahrungen nachhaltig gestärkt werden kann. 

Eine einzelne Disziplin, Methodik oder Organisation kann dieser Aufgabe allein nicht gerecht werden. Nachhaltige Lösungen entstehen dort, wo Wissenschaft, Praxis, Bildung, Kommunikation und Selbstvertretung ihr Wissen bündeln, voneinander lernen und gemeinsam neue Wege entwickeln.

CYBELES versteht sich als Initiative zum Aufbau eines integrierten Ökosystems für sexuelle Selbstbestimmung. 

Unser Ziel ist es, unterschiedliche fachliche und praktische Perspektiven miteinander zu vernetzen, den interdisziplinären Dialog zu fördern und gemeinsame Entwicklungsprozesse anzustoßen.

Dabei verstehen wir sexuelle Selbstbestimmung nicht als das Ergebnis einer einzelnen Maßnahme, sondern als das Zusammenwirken vielfältiger Unterstützungsformen. Forschung, Bildung, Kommunikation, unterstützte Entscheidungsfindung, professionelle Unterstützungsangebote, Selbstvertretung sowie der kontinuierliche Austausch zwischen Wissenschaft und Praxis schaffen gemeinsam die Voraussetzungen dafür, dass sexuelle Selbstbestimmung im Alltag gelebt werden kann.

CYBELES ist keine Dachorganisation und verfolgt nicht das Ziel, bestehende Initiativen, Projekte oder Konzepte zusammenzuführen, zu ersetzen oder zu vereinheitlichen. 

Vielmehr verstehen wir uns als offener Kooperations- und Entwicklungsraum, in dem unterschiedliche Ansätze ihre Eigenständigkeit bewahren und zugleich ihr Wissen, ihre Erfahrungen und ihre jeweiligen Kompetenzen in einen gemeinsamen Dialog einbringen können.

Wir erkennen die Vielfalt bestehender Initiativen, Konzepte und fachlicher Ansätze ausdrücklich an. Jede dieser Perspektiven leistet einen eigenständigen und unverzichtbaren Beitrag zur Förderung sexueller Selbstbestimmung. Unsere Aufgabe besteht darin, Verbindungen zwischen ihnen zu schaffen, gemeinsame Lern- und Innovationsprozesse zu fördern und Räume zu entwickeln, in denen Wissen, Qualitätsstandards, Forschungsprojekte, Modellvorhaben und fachliche Empfehlungen gemeinsam entstehen können – mit dem Ziel, die sexuelle Selbstbestimmung von Menschen mit Behinderungen nachhaltig zu stärken.

Verständnis

Sexualität, Nähe, Intimität und körperliche Selbstbestimmung gehören zu den grundlegenden Dimensionen menschlichen Lebens. Menschen mit Behinderung erfahren jedoch häufig strukturelle, institutionelle und gesellschaftliche Einschränkungen im Zugang zu selbstbestimmter Sexualität.

CYBELES versteht sexuelle Selbstbestimmung daher als Teil ganzheitlicher gesellschaftlicher Teilhabe im Sinne der UN-Behindertenrechtskonvention.

Das Recht auf Sexualität umfasst dabei weit mehr als sexuelle Praxis allein. Dazu gehören unter anderem:

  • Zugang zu Intimität und Beziehung
  • körperliche Selbstbestimmung
  • Privatsphäre
  • sexuelle Bildung
  • emotionale Nähe
  • Identitäts- und Ausdrucksfreiheit
  • Schutz vor Gewalt und Diskriminierung
  • die Möglichkeit, Sexualität selbstbestimmt und würdevoll zu leben

Sexuelle Assistenz und Sexualbegleitung versteht CYBELES in diesem Zusammenhang als wichtige Formen professioneller Unterstützung — insbesondere für Menschen, deren Zugang zu Körperlichkeit, Intimität oder sexueller Erfahrung durch körperliche, kommunikative, institutionelle oder soziale Barrieren eingeschränkt ist.

CYBELES entstand auch aus dem Anliegen heraus, die Professionalisierung, Qualitätssicherung und gesellschaftliche Anerkennung sexueller Assistenz und Sexualbegleitung in Deutschland aktiv weiterzuentwickeln.

Die Initiative versteht dieses Arbeitsfeld als wichtigen Bestandteil sexueller Selbstbestimmung und gesellschaftlicher Teilhabe von Menschen mit Behinderung.

Grundverständnis

Grundlage unserer Arbeit ist die Anerkennung, dass Sexualität, Intimität und Nähe Teil eines selbstbestimmten Lebens sind — unabhängig von Behinderung, Geschlecht, Alter, sexueller Orientierung, geschlechtlicher Identität, Religion oder anderen persönlichen Lebensrealitäten.


CYBELES versteht sexuelle Assistenz und Sexualbegleitung nicht als isolierte Praxis, sondern als Teil eines breiteren interdisziplinären Feldes im Zusammenhang mit:

  • sexueller Selbstbestimmung
  • Disability Studies
  • Care und relationaler Begleitung
  • Sexualpädagogik
  • Körperarbeit
  • sozialer Teilhabe
  • institutioneller Verantwortung
  • Inklusion und Diversität

Menschen, die sexuelle Assistenz oder Sexualbegleitung in Anspruch nehmen oder anbieten, dürfen dafür weder stigmatisiert noch abgewertet werden.
Sexuelle Assistenz und Sexualbegleitung können dazu beitragen, Menschen mit Behinderung den Zugang zu Nähe, Körperlichkeit, Beziehungserfahrung und sexueller Selbstbestimmung zu ermöglichen.

Ziele von CYBELES

CYBELES verfolgt insbesondere folgende Ziele:

  • Einsatz für sexuelle Selbstbestimmung und gleichberechtigte gesellschaftliche Teilhabe von Menschen mit Behinderung
  • Förderung eines wertungsfreien und diskriminierungssensiblen Umgangs mit Sexualität und unterschiedlichen Lebensweisen
  • Unterstützung gesellschaftlicher und institutioneller Anerkennungsprozesse
  • Unterstützung interdisziplinärer Zusammenarbeit
  • Vernetzung von Menschen mit Behinderung, Fachpersonen, Organisationen und Institutionen
  • Förderung öffentlicher und fachlicher Diskurse zu Sexualität, Behinderung und Teilhabe
  • Sensibilisierung für strukturelle Barrieren im Bereich sexueller Selbstbestimmung
  • Entwicklung professioneller, ethischer und qualitativer Standards
  • Förderung qualifizierter Aus- und Weiterbildungsangebote
  • Professionalisierung sexueller Assistenz und Sexualbegleitung in Deutschland
  • Entwicklung professioneller Schutz-, Qualitäts- und Handlungskonzepte
  • Förderung von Supervision, reflexiver Praxis und professioneller Verantwortung

Professionalisierung und Qualität

CYBELES setzt sich für verantwortungsbewusste, reflektierte und professionell begleitete Praxisformen ein.

Sexuelle Assistenz und Sexualbegleitung bilden in Deutschland weiterhin ein junges und bislang nicht konsolidiertes Feld.

CYBELES versteht die Weiterentwicklung dieses Feldes als gesellschaftliche, ethische und menschenrechtliche Aufgabe im Sinne der UN-Behindertenrechtskonvention.

Die Entwicklung professioneller Standards versteht CYBELES daher als einen kollektiven und langfristigen Prozess.

Dazu gehören insbesondere:

  • ethische Leitlinien
  • Consent- und Schutzkonzepte
  • professionelle Grenzen
  • Qualitätsstandards und Qualitätssicherung
  • gesundheitliche und hygienische Standards
  • Reflexion professioneller Verantwortung
  • Supervision und fachlicher Austausch
  • institutionelle Dialoge
  • interdisziplinäre Zusammenarbeit
  • Entwicklung qualifizierter Ausbildungsmodelle

Ethik und Schutz

Die Grundlage jeder Form sexueller Assistenz und Sexualbegleitung ist die ausdrückliche Zustimmung und Selbstbestimmung aller beteiligten Personen.

Sexuelle Assistenz und Sexualbegleitung dürfen niemals ohne klaren Auftrag und informierte Einwilligung stattfinden.

CYBELES e.V. lehnt konsequent jede Form von:

  • Gewalt
  • Ausbeutung
  • Grenzverletzung
  • Diskriminierung
  • Machtmissbrauch
  • Menschenhandel

ab.

Besonderes Augenmerk gilt dem Schutz von Menschen in vulnerablen Situationen.

Zentral sind dabei:

  • Respekt vor Autonomie und Würde
  • transparente professionelle Grenzen
  • verantwortungsvolles Handeln
  • Datenschutz und Vertraulichkeit
  • kontinuierliche fachliche Reflexion
  • Prävention und Risikominimierung
  • Schutz institutioneller und professioneller Integrität

Netzwerk und Zusammenarbeit

CYBELES versteht sich als offene und interdisziplinäre Plattform.

Die Initiative fördert Austausch und Zusammenarbeit zwischen:

  • Menschen mit Behinderung
  • Fachpersonen
  • Organisationen
  • Bildungseinrichtungen
  • Akteur*innen aus Care, Sexualpädagogik, Sozialarbeit und Disability Studies
  • kulturellen und wissenschaftlichen Kontexten

Die Plattform unterstützt:

Entwicklung gemeinsamer Leitlinien und Qualitätsstandards

Workshops

Symposien

Fachveranstaltungen

Arbeitsgruppen

Supervisionsräume

Forschung und Dokumentation

Grundsätze der Mitgliedschaft

Mitglieder von CYBELES e.V. verpflichten sich zu:

  • einem respektvollen und diskriminierungssensiblen Umgang
  • Achtung von Consent, Selbstbestimmung und Würde aller Beteiligten
  • professionellen Grenzen und verantwortungsvollem Handeln
  • Vertraulichkeit und Datenschutz
  • Transparenz in der eigenen Arbeit
  • kontinuierlicher fachlicher und persönlicher Reflexion
  • Einhaltung gesetzlicher Rahmenbedingungen
  • Ablehnung jeder Form von Gewalt, Ausbeutung und Diskriminierung

Perspektive

CYBELES e.V. versteht die Entwicklung professioneller Standards und gesellschaftlicher Anerkennung als einen langfristigen Prozess.

Ziel ist es, zur Weiterentwicklung sexueller Assistenz und professioneller Sexualbegleitung als verantwortungsvolles, reflektiertes und menschenrechtsorientiertes Arbeitsfeld in Deutschland beizutragen.

Die Initiative verbindet dabei sexuelle Selbstbestimmung, Schutz, Teilhabe, professionelle Verantwortung und Qualitätsentwicklung.

Die Leitlinien verstehen sich als dynamischer Rahmen, der sich im Austausch mit Praxis, Forschung, Menschen mit Behinderung, Institutionen und gesellschaftlichen Entwicklungen weiterentwickelt.

Bereits realisierte Veranstaltungen sind u. a.:

Symposium „Menschenrechte ohne Schranken Aktiv“

22. bis 24. Januar 2026

„Körper, Wünsche und Rechte: Sexualassistenz und Behinderung im 21. Jahrhundert“.

Plakat zum Symposium 2026

Kongress „Menschenrechte ohne Schranken“

01. bis 06. Oktober 2024
zu Sexualität und Geschlechterperspektive von Menschen mit Behinderung.


Diese Veranstaltungen haben gezeigt, dass ein großes fachliches Interesse an diesem Themenfeld besteht und dass ein Bedarf an vertiefter interdisziplinärer Zusammenarbeit vorhanden ist.

CO,

Sehen, Lesen, Hören