Netzwerk für Sexualität, Behinderung und Geschlechtergerechtigkeit
Das Netzwerk bringt Expert*innen aus Wissenschaft, Praxis und Zivilgesellschaft zusammen, die sich mit den Themen Sexualität, Behinderung und Geschlechtergerechtigkeit befassen.

Ziele des Netzwerks
Das Netzwerk bildet einen interdisziplinären Raum für Forschung, fachlichen Austausch und institutionelle Kooperation im Themenfeld Sexualität, Behinderung und Geschlechtergerechtigkeit.
Im Zentrum steht die Stärkung der selbstbestimmten Wahrnehmung von Sexualität und Rechten von Menschen mit Behinderung im Sinne der UN-Behindertenrechtskonvention.
Präambel
Sexualität, Nähe, Intimität und körperliche Selbstbestimmung gehören zu den grundlegenden Dimensionen menschlichen Lebens. Menschen mit Behinderung erfahren jedoch häufig strukturelle, institutionelle und gesellschaftliche Einschränkungen im Zugang zu selbstbestimmter Sexualität.
CYBELES e.V. versteht sexuelle Selbstbestimmung daher als Teil ganzheitlicher gesellschaftlicher Teilhabe im Sinne der UN-Behindertenrechtskonvention.
Das Recht auf Sexualität umfasst dabei weit mehr als sexuelle Praxis allein. Dazu gehören unter anderem:
- Zugang zu Intimität und Beziehung
- körperliche Selbstbestimmung
- Privatsphäre
- sexuelle Bildung
- emotionale Nähe
- Identitäts- und Ausdrucksfreiheit
- Schutz vor Gewalt und Diskriminierung
- die Möglichkeit, Sexualität selbstbestimmt und würdevoll zu leben
Sexuelle Assistenz und Sexualbegleitung versteht CYBELES in diesem Zusammenhang als wichtige Formen professioneller Unterstützung — insbesondere für Menschen, deren Zugang zu Körperlichkeit, Intimität oder sexueller Erfahrung durch körperliche, kommunikative, institutionelle oder soziale Barrieren eingeschränkt ist.
CYBELES entstand aus dem Anliegen heraus, die Professionalisierung, Qualitätssicherung und gesellschaftliche Anerkennung sexueller Assistenz und Sexualbegleitung in Deutschland aktiv weiterzuentwickeln.
Die Initiative versteht dieses Arbeitsfeld als wichtigen Bestandteil sexueller Selbstbestimmung und gesellschaftlicher Teilhabe von Menschen mit Behinderung.
Grundverständnis
Grundlage unserer Arbeit ist die Anerkennung, dass Sexualität, Intimität und Nähe Teil eines selbstbestimmten Lebens sind — unabhängig von Behinderung, Geschlecht, Alter, sexueller Orientierung, geschlechtlicher Identität, Religion oder anderen persönlichen Lebensrealitäten.
CYBELES versteht sexuelle Assistenz und Sexualbegleitung nicht als isolierte Praxis, sondern als Teil eines breiteren interdisziplinären Feldes im Zusammenhang mit:
- sexueller Selbstbestimmung
- Disability Studies
- Care und relationaler Begleitung
- Sexualpädagogik
- Körperarbeit
- sozialer Teilhabe
- institutioneller Verantwortung
- Inklusion und Diversität
Menschen, die sexuelle Assistenz oder Sexualbegleitung in Anspruch nehmen oder anbieten, dürfen dafür weder stigmatisiert noch abgewertet werden.
Sexuelle Assistenz und Sexualbegleitung können dazu beitragen, Menschen mit Behinderung den Zugang zu Nähe, Körperlichkeit, Beziehungserfahrung und sexueller Selbstbestimmung zu ermöglichen.
Ziele von CYBELES
CYBELES e.V. verfolgt insbesondere folgende Ziele:
- Professionalisierung sexueller Assistenz und Sexualbegleitung in Deutschland
- Entwicklung professioneller, ethischer und qualitativer Standards
- Förderung qualifizierter Aus- und Weiterbildungsangebote
- Entwicklung professioneller Schutz-, Qualitäts- und Handlungskonzepte
- Unterstützung gesellschaftlicher und institutioneller Anerkennungsprozesse
- Förderung von Supervision, reflexiver Praxis und professioneller Verantwortung
- Unterstützung interdisziplinärer Zusammenarbeit
- Vernetzung von Menschen mit Behinderung, Fachpersonen, Organisationen und Institutionen
- Förderung öffentlicher und fachlicher Diskurse zu Sexualität, Behinderung und Teilhabe
- Einsatz für sexuelle Selbstbestimmung und gleichberechtigte gesellschaftliche Teilhabe von Menschen mit Behinderung
- Förderung eines wertungsfreien und diskriminierungssensiblen Umgangs mit Sexualität und unterschiedlichen Lebensweisen
- Sensibilisierung für strukturelle Barrieren im Bereich sexueller Selbstbestimmung
Professionalisierung und Qualität
Sexuelle Assistenz und Sexualbegleitung bilden in Deutschland weiterhin ein junges und bislang nicht konsolidiertes Feld.
CYBELES versteht die Weiterentwicklung dieses Feldes als gesellschaftliche, ethische und menschenrechtliche Aufgabe im Sinne der UN-Behindertenrechtskonvention.
Die Entwicklung professioneller Standards versteht CYBELES daher als einen kollektiven und langfristigen Prozess.
Dazu gehören insbesondere:
- ethische Leitlinien
- Consent- und Schutzkonzepte
- professionelle Grenzen
- Qualitätsstandards und Qualitätssicherung
- gesundheitliche und hygienische Standards
- Reflexion professioneller Verantwortung
- Supervision und fachlicher Austausch
- institutionelle Dialoge
- interdisziplinäre Zusammenarbeit
- Entwicklung qualifizierter Ausbildungsmodelle
CYBELES setzt sich für verantwortungsbewusste, reflektierte und professionell begleitete Praxisformen ein.
Ethik und Schutz
Die Grundlage jeder Form sexueller Assistenz und Sexualbegleitung ist die ausdrückliche Zustimmung und Selbstbestimmung aller beteiligten Personen.
Sexuelle Assistenz und Sexualbegleitung dürfen niemals ohne klaren Auftrag und informierte Einwilligung stattfinden.
CYBELES e.V. lehnt konsequent jede Form von:
- Gewalt
- Ausbeutung
- Grenzverletzung
- Diskriminierung
- Machtmissbrauch
- Menschenhandel
ab.
Besonderes Augenmerk gilt dem Schutz von Menschen in vulnerablen Situationen.
Zentral sind dabei:
- Respekt vor Autonomie und Würde
- transparente professionelle Grenzen
- verantwortungsvolles Handeln
- Datenschutz und Vertraulichkeit
- kontinuierliche fachliche Reflexion
- Prävention und Risikominimierung
- Schutz institutioneller und professioneller Integrität
Netzwerk und Zusammenarbeit
CYBELES versteht sich als offene und interdisziplinäre Plattform.
Die Initiative fördert Austausch und Zusammenarbeit zwischen:
- Menschen mit Behinderung
- Fachpersonen
- Organisationen
- Bildungseinrichtungen
- Akteur*innen aus Care, Sexualpädagogik, Sozialarbeit und Disability Studies
- kulturellen und wissenschaftlichen Kontexten
Die Plattform unterstützt:
Entwicklung gemeinsamer Leitlinien und Qualitätsstandards
Workshops
Symposien
Fachveranstaltungen
Arbeitsgruppen
Supervisionsräume
Forschung und Dokumentation
Grundsätze der Mitgliedschaft
Mitglieder von CYBELES e.V. verpflichten sich zu:
- einem respektvollen und diskriminierungssensiblen Umgang
- Achtung von Consent, Selbstbestimmung und Würde aller Beteiligten
- professionellen Grenzen und verantwortungsvollem Handeln
- Vertraulichkeit und Datenschutz
- Transparenz in der eigenen Arbeit
- kontinuierlicher fachlicher und persönlicher Reflexion
- Einhaltung gesetzlicher Rahmenbedingungen
- Ablehnung jeder Form von Gewalt, Ausbeutung und Diskriminierung
Perspektive
CYBELES e.V. versteht die Entwicklung professioneller Standards und gesellschaftlicher Anerkennung als einen langfristigen Prozess.
Ziel ist es, zur Weiterentwicklung sexueller Assistenz und professioneller Sexualbegleitung als verantwortungsvolles, reflektiertes und menschenrechtsorientiertes Arbeitsfeld in Deutschland beizutragen.
Die Initiative verbindet dabei sexuelle Selbstbestimmung, Schutz, Teilhabe, professionelle Verantwortung und Qualitätsentwicklung.
Die Leitlinien verstehen sich als dynamischer Rahmen, der sich im Austausch mit Praxis, Forschung, Menschen mit Behinderung, Institutionen und gesellschaftlichen Entwicklungen weiterentwickelt.
Bereits realisierte Veranstaltungen sind u. a.:
Symposium „Menschenrechte ohne Schranken Aktiv“
22. bis 24. Januar 2026
„Körper, Wünsche und Rechte: Sexualassistenz und Behinderung im 21. Jahrhundert“.


Kongress „Menschenrechte ohne Schranken“
01. bis 06. Oktober 2024
zu Sexualität und Geschlechterperspektive von Menschen mit Behinderung.
Diese Veranstaltungen haben gezeigt, dass ein großes fachliches Interesse an diesem Themenfeld besteht und dass ein Bedarf an vertiefter interdisziplinärer Zusammenarbeit vorhanden ist.

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